Hamid Kordbache - Experte auf dem Gebiet der digitalen Wirtschaft: Bis vor einigen Jahren schien die Vorstellung, dass menschliche Gehirnzellen Teil eines Rechensystems sein könnten, eher wie Science-Fiction; heute ist diese Idee, zumindest im Labormaßstab, zur Realität geworden.
Moderne Technologien und wirtschaftliche Interaktionen
Das australische Unternehmen Cortical Labs hat Systeme wie CL1 entwickelt, die Netzwerke von im Labor gezüchteten Neuronen mit einer Rechenumgebung verbinden; sodass lebende Zellen durch die digitale Umgebung stimuliert werden können und darauf reagieren. Diese Technologie befindet sich noch in einem frühen Stadium und hat eine große Distanz zu herkömmlichen Computern. Daher ist die Hauptfrage nicht, ob menschliche Neuronen eines Tages Siliziumchips ersetzen werden oder nicht; die wichtigere wirtschaftliche Frage ist: Ist die digitale Wirtschaft dabei, die Phase zu überwinden, in der sie nur Daten über das Leben produziert hat, hin zu einer Phase, in der sie mit dem Leben selbst technologische und wirtschaftliche Interaktionen eingehen kann?
In den letzten Jahrzehnten hat die digitale Wirtschaft die reale Welt so weit wie möglich in Daten umgewandelt. Menschliches Verhalten, Konsum, Geldfluss, Maschinenleistung, Unternehmensaktivitäten und viele biologische Prozesse wurden gemessen und digitalisiert. Dann haben Computing, Cloud und künstliche Intelligenz diese Daten in Informationen, Vorhersagen und Entscheidungen umgewandelt. Aber die nächste Phase könnte anders sein: Technologie misst nicht nur das Leben; sie versucht, es in kontrollierten Umgebungen zu modellieren, zu testen und zu konstruieren.
Transformation in der Pharmaindustrie und neues Ökosystem
Die Pharmaindustrie hat die zukünftigen Vorteile nicht nur in einem gut ausgestatteten Labor; sondern in der Fähigkeit, eine biologische Frage schneller in Daten, Daten in Hypothesen, Hypothesen in Tests und Tests in Entscheidungen umzuwandeln. In einem solchen Modell sind Labor, Daten und Rechenleistung nicht mehr drei unabhängige Vermögenswerte; sie sind Teile einer einzigen Wertschöpfungskette. Dieses System ist weder das menschliche Gehirn noch ein direkter Konkurrent von Siliziumchips. Ihre Bedeutung liegt darin, die Möglichkeit zu zeigen, einen Kommunikationskreis zwischen einem lebenden System und einem digitalen System zu schaffen; wo ein biologisches Signal in Daten umgewandelt wird, Daten verarbeitet werden und die Ergebnisse der Berechnungen wieder Einfluss auf die Umwelt haben.
Diese Transformation hat eine wichtige Botschaft für die digitale Wirtschaft: Die Daten der Zukunft sind nicht nur Daten, die von Mobiltelefonen, Banktransaktionen oder einer Internetplattform stammen. Biologische Daten können ebenfalls zu einer der wertvollsten Datenschichten werden; von zellulären und genetischen Informationen bis hin zu Gewebereaktionen, Neuronenverhalten und der Reaktion des Körpers auf Medikamente. Aber der Wert dieser Daten wird erst deutlich, wenn sie mit Berechnungen und künstlicher Intelligenz kombiniert werden können.
Schließlich ist die Gesundheitsindustrie einer der ersten Bereiche, die diese Konvergenz in wirtschaftlichen Wert umwandeln kann. Zellmodelle, Laborausrüstung, biologische Daten und künstliche Intelligenz können einen Teil des Forschungs- und Entwicklungsprozesses datenorientierter gestalten; mehr Hypothesen schneller testen und einige unwahrscheinliche Wege früher ausschließen.
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